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Lehmbau in Marokko
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31.03.2009
Architektur lässt sich nicht allein im Vorlesungssaal vermitteln. Wie beschäftigen sich Architekturstudierende außerhalb der Lehre an der Hochschule mit Architektur?
Lilian Weste berichtet über ihre Erfahrung; sie machte sich in Marokko mit dem Baustoff Lehm vertraut.


Du hast eine Reise nach Marokko unternommen, um mehr über Lehmbau zu lernen. Was genau hast du in Marokko gemacht?

Ich arbeitete vier Wochen lang mit 21 Helfern auf einer marokkanischen Baustelle, um vier Türme und zwei Außenmauern der Kasbah in Asslim zu sanieren und wetterfest zu machen. Der Begriff Kasbah wird je nach Region unterschiedlich verwendet: In Marokko gibt es Kasbahs, die mitten in der Altstadt (Medina) gelegen sind und zum Beispiel zu Königspalästen ausgebaut wurden. Im Gegensatz dazu gibt es Kasbahs wie jene bei Asslim, die außerhalb des Stadtzentrums liegt und einst den Berberstämmen als Residenz diente.
Unsere Gruppe bestand aus Studierenden verschiedener Hochschulen, die an der Ruine arbeiteten und dazu beitrugen, dass diese heute keine Ruine mehr ist. Bevor wir tatsächlich an den alten Gemäuern arbeiten konnten, mussten wir 1000 Lehmziegeln formen und brennen. Die praktischen Arbeiten wurden durch theoretische Unterweisungen von den zwei Projektleitern und Einheimischen vertieft. Ein großer Riss in der Ostwand wurde mit Hilfe einer heimischen Handwerkergruppe mit einer Stützmauer stabilisiert und im oberen Bereich mittels einer moderner Lehmbau-Technik vernadelt. So ist die statische Instabilität beseitigt und das Gebäude wieder im Ganzen begehbar.
Langfristiges Ziel ist es, die Kasbah in ein Besuchermuseum für Einheimische und Touristen umzubauen, doch zunächst steht ihre Erhaltung und Sicherung im Mittelpunkt. Auch in diesem Jahr arbeiten Fachleute, Studenten und Abenteuerlustige unter Anleitung der Bauleiter wieder an der Sanierung der Kasbah.

Wie kamst du auf die Idee, nach Marokko zu gehen und dort mit Lehm zu arbeiten?

Eine Kommilitonin von mir recherchierte im Internet, als wir gemeinsam im Arbeitsraum saßen und eigentlich Modelle zu Ende bauen wollten. Sie stieß auf eine Anzeige des "Lehmexpresses", das ist ein interkulturelles Programm zur praktischen Vermittlung von marokkanischen und europäischen Lehmbau-Techniken. Noch in der selben Nacht meldeten wir uns online an und flogen drei Wochen später zum Beginn der Semesterferien zu zweit in die Sonne – aber nicht um am Strand zu liegen, sondern um zu arbeiten.

Was hast du für Dich aus dem Seminar mitgenommen? Konntest du das Gelernte im Studium anwenden?

In jedem Fall. Zum einen lernte ich bei der praktischen Arbeit viel über statische Zusammenhänge, aber natürlich auch über den Baustoff Lehm.

Wie hast Du das Land, die Menschen, die Kultur und die Architekur Marokkos erlebt?

Ich habe die Marokkaner als ein sehr gastfreundliches Volk kennengelernt – es scheint als wären sie trotz bescheidener Mittel glücklich mit dem, was sie haben.
Die regionale Architektur hat mich so sehr beeindruckt, dass ich nach meinem Diplom im Januar 2009 erneut nach Marokko, diesmal in das im Süden gelegene Marrakech, gereist bin, um das Land, seine Kultur und Architektur besser kennenzulernen.
Begeistert hat mich der islamischen Städtebau mit seinen Zusammenhängen zwischen Religion, sozialem Gefüge, Haus und Stadt. Enge, verwinkelte Gassen werden gesäumt von Häusern ohne jeglichen repräsentativen Schmuck. Selbst vornehme Paläste werden über unscheinbare Tore von der Gasse aus betreten, da die islamische Religion das Zurschaustellen von Macht und Reichtum im öffentlichen Raum nicht zulässt. Umso größer war meine Begeisterung beim Anblick der großzügigen, reich verzierten Interieurs im maurischen Baustil.


Franziska Tokarski
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Fotograf: Fotos: Lilian Weste

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Kommentare
Re: Lehmbau in Marokko
Hallo Lilian, heute hat eine Architektin aus Düsseldorf bei mir angerufen. Sie hat diesen Artikel von dir gelesen und sich promt angemeldet. So siehst du wie das Leben spielt. Doch, wie geht es dir/ euch? Was macht ihr im Moment? Du wohnst in Duisburg? Was macht Julia? Manni
Ein Kommentar von Manni Fahnert (05.02.2010)
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