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Die Reise in das haschemitische Königreich Jordanien | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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26.10.2008 Architektur lässt sich nicht allein im Vorlesungssaal vermitteln. Wie beschäftigen sich Architekturstudierende außerhalb der Lehre an der Hochschule mit Architektur? Bastian Neubert, Architekturstudent an der FH Köln, berichtet von seinen Erfahrungen in Jordanien. Bastian, du hast deine vorlesungsfreie Zeit in Teilen in Jordanien verbracht. Wie kamst du dazu? Herr Werling hat uns während eines Kurses in der Vertiefung Baudenkmalpflege auf die Möglichkeit einer solchen Reise aufmerksam gemacht. Das Feedback für diese Idee war von Seiten der Studierenden sehr positiv. Das Thema roch schon damals nach Abenteuer. Daraufhin machte sich Herr Werling an die Arbeit alles in Zusammenarbeit mit dem Biblisch-Archäologischen Institut der Universität Wuppertal zu organisieren. Es gab zwei Vortreffen mit Professor Dr. Vieweger, dem Leiter des biblischen Instituts. Er betreut die Ausgrabungen am Berg Tell`Zera seit Jahren und ermöglichte uns die Exkursion nach Jordanien. So waren wir die ersten Studierenden der Fakultät, die sich dieser Herausforderung stellten. Am 19. Juli 2008 war es soweit: Herr Werling und eine Gruppe von zehn Studierenden traten die 17-tägige Reise nach Jordanien per Flugzeug an. Wo in Jordanien ging die Reise hin? Wer waren eure Ansprechpartner vor Ort? Die Grabungsstelle selbst befindet sich im Norden Jordaniens an der israelisch - syrischen Grenze. Der Ort Umm Qais befindet sich in dem Dreiländereck, in der nördlichsten Ecke Jordaniens, erbaut auf und neben der antiken Stadt Gadara. Die römische Altstadt Gadara wurde bis in die 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Jordaniern bewohnt und ist bis heute eine reine Museumsstadt. Die Entfernung zur Grabungsstätte beträgt 10 Kilometer, von dort aus werden die Funde in die Museumsstadt transportiert. Im dort ansässigen Grabungshaus werden sie gereinigt, katalogisiert und dokumentiert. Einige Studierende waren im Grabungshaus untergebracht - Andere in einer Ferienwohnung im 500 Meter entfernten Ort Umm Quais. Am ersten Tag gab es ein Kennenlernen der anderen Beteiligten - teils Archäologen und ausgebildete Hilfskräfte - Regeln und Dienstpläne wurden besprochen. Des Weiteren gab es eine Führung über das Grabungsgelände und eine Einweisung von Dieter Vieweger, welcher neben Michael Werling die ganze Zeit über unser Ansprechpartner war. Wie sah ein typischer Ausgrabungstag für Euch aus? Täglich wurden wir um 4 Uhr am Morgen vom lauten Gebetsruf, der vom 20 Meter entfernten Minarett ausging, geweckt. Danach machte sich jeder von uns mit Wasser und Arbeitsklamotten ausgestattet startklar. Nach einer kurzen Fahrt durch die Wüste kamen wir am Fuße des Berges Tell`Zera an. An diesem Ort befinden wir uns im sogenannten biblisch-heiligen Land: Nazareth liegt nur ein paar Kilometer entfernt. Diese außergewöhnliche Atmosphäre macht das Graben höchst interessant. Eine Parzellierung der Ausgrabungsfläche in Squares wurde schon im Frühling dieses Jahres vorbereitet. Nun wurde jedem Studierenden ein Square zugeteilt und von einem Archäologen betreut. Im Anschluss starteten wir mit unserer Arbeit: Wir gruben, hackten und schaufelten. Gegen 9:30 Uhr gab es Frühstück - da hatten wir meisten schon 42°C im Schatten. Gegen 13:30 Uhr verließen wir die Grabungsstätte und machten uns auf zum Grabungshaus. Dort wurden die Knochen, Scherben und andere Funde gewaschen. So haben wir einen Einblick in die Arbeit der Archäologie gewinnen können. Was habt ihr genau gefunden? Was passiert mit den Funden nach ihrer Aufbereitung? In erster Linie fanden wir Keramikscherben, Knochen, Mosaiksteine aber auch Säulenfragmente, Metallteile, Kohlestückchen, Schmuck, Mauerreste, massenhaft Skorpione und selten gut erhaltene Keramikgefäße. Ich hatte das Glück eine Tischamphore, eine kleine Vase, unbeschädigt bergen zu können. Wir haben sie auf das 3. Jahrhundert nach Christus datiert, es handelt sich also um eine römische Vase. Eine kleine Sensation war für uns der Fund einer in mehrere Scherben zebrochenen, bemalten Vase, die aus der Bronzezeit stammt und somit circa 4000 Jahre alt ist. Alle interessanten Funde werden in Deutschland im Institut der Universität untersucht. Im Anschluss werden die Fundstücke den Jordaniern zurückgegeben und - soweit die Planung: im Museum vom Amman ausgestellt. Wie habt ihr Land und Leute Jordaniens kennengelernt? Da kommt mir als erstes die ausgeprägte Gastfreundschaft in den Sinn. Auf den Straßen und Märkten herrscht ein reges Treiben, Frauen treten allerdings eher selten in der Öffentlichkeit auf. Dank der Gastfreundschaft kam es vor, dass uns Fremde auf der Straße angesprochen und zum Essen nach Hause eingeladen haben. Das Land Jordanien ist ein Wüstenland, sehr viele Erdtöne und Steinstädte - wie aus einer Form gegossen - prägen die Landschaft. Eure Reise ging ja nach den Ausgrabungen noch weiter... Nach der Ausgrabung haben wir noch eine Rundreise zu nennenswerten Sehenswürdigkeiten unternommen: An den Berg Nebo, er ist ein Ausläufer jenes Plateaus, das zum Toten Meer hin abfällt, an das Bodenmosaik von Madaba, ans Tote Meer zum Baden und schließlich fuhren wir in die verlassene Felsenstadt Petra, wo wir zwei Nächte im Hotel residierten und einen ganzen Tag Zeit hatten für das Erkunden Petras. Am nächsten Tag erfolgte die Rückfahrt in die Hauptstadt Amman. Dort beeindruckte uns das chaotische, lebendige Treiben - besonders auf dem Markt. Am Abend gab es noch ein reichhaltiges Abschiedsessen in einem schönen Beduinenambiente. Was hat dich am Meisten beeindruckt? Welche Erinnerungen nimmst du von der Reise mit nach Hause? Das Entdecken eines 4000 Jahre alten Kruges ist ein bewegender Moment! Man hat das Gefühl in die Zeit zurück versetzt zu werden. Außerdem hat jeder von uns eine körperliche Grenzerfahrung gemacht. Ich musste schmunzeln, als der erste Geier über der Grabungsstätte kreiste. Inwiefern ist deine gesammelte Erfahrung bei diesem Projekt für dein Studium nützlich? Für mich als Student aus der Vertiefung Baudenkmalpflege auf jeden Fall. Ich habe gesehen wie wissenschaftlich mit historischen Kulturgut umzugehen ist. Außerdem haben wir tiefe Einblicke in das Leben der vergangenen Zeiten bekommen. Nur der Blick in die Vergangenheit ermöglicht es uns Menschen in die Zukunft zu sehen. Ist eine nächste Ausgrabung geplant? Ich habe bis jetzt noch nichts gehört, die Ausgrabung wird noch 20 Jahre fortgeführt, so Dieter Vieweger. Ich würde es begrüßen, denn es lohnt sich diese Grenzerfahrung zu erleben! Julia Burtscheidt |
![]() [+] ![]() Umm Qais bei Sonnenaufgang ![]() [+] Die nahegelegene Stadt Amman ![]() Die tägliche Fahrt zu den Ausgrabungen ![]() [+] Graben, schaufeln ![]() [+] und hacken! ![]() [+] Eine kleine Vase - auf das 3. Jahrhundert nach Christus datiert ![]() [+] Jetzt werden die Funde gewaschen ![]() [+] Sortiert und dokumentiert ![]() [+] Die Gruppe zu Besuch in der verlassenen Stadt Petra ![]() [+] Die Fotografen: Bastian Neubert und Professor Michael Werling |
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