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Chris Bosse | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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14.09.2007 Chris Bosse diplomierte 1997 an der FH Köln. Jetzt lebt und arbeitet er in Australien. Seine Projekte haben bereits internationales Ansehen erlangt. A:JUGEND Redakteurin Julia Burtscheidt sprach mit ihm im Interview. Chris, welche Erinnerungen hast du an dein Studium? Das Studium der Architektur war für mich eine lange Reise ins Unbekannte. Das ist bis heute so geblieben. Je mehr man versteht, desto weniger weiß man. Für mich ist es eine nie endende Entdeckungsreise. Welchen Bereich hast du in deinem Studium vertieft? Waren das Erfahrungen, die du gesammelt hast, die für deine heutige Arbeit relevant sind? Ich habe 1997 in Köln diplomiert*. Zu dem Zeitpunkt waren 90 % aller Diplomarbeiten analog, also handgezeichnet. Drei Jahre später, bei meinem Universitätsdiplom in Stuttgart waren 90% der Arbeiten digital. Die digitale Revolution hat sich innerhalb von wenigen Jahren vollzogen. Mein digitales Diplom befasste sich mit der Verräumlichung von Daten und Kommunikation im virtuellen Raum. Das ist heute selbstverständlicher Alltag für uns. Ich bin froh, dass ich „Maßstab“ und „Materialität“ gelernt habe und dies später in digitale Explorationen übersetzen konnte. Außerdem lernte ich am Institut für Leichtbau in Stuttgart über Strukturen in der Natur und ihre Relevanz für Architektur heute. Frei Ottos Münchener Olympiadach ist ein direktes Vorbild für das „Aquatic Centre Peking", welches auf der Geometrie von Schaum beruht. Wir haben die Forschung von natürlichen Systemen in das digitale Zeitalter übertragen. Mit welcher Motivation bist du nach Australien gegangen, wie kam es dazu? Neugier und Reiselust. Ich hätte nie gedacht, dass ich nicht wiederkomme. Wie bist du zu PTW Architects gekommen? Reiner Zufall. Ein guter Freund von mir arbeitete dort. Ptw Architects hat für mich eine neue Welt eröffnet. Ein Riesenbüro, weltweit tätig, mit Spezialisten aus allen Fachgebieten. Das Unwissen hat mir ermöglicht vorurteilsfrei in eine neue Bürodimension einzutreten. Mit meinem europäischen Hintergrund und Interesse an Designresearch und der konzeptionellen Herangehensweise an ein Problem habe ich mich schnell zum Spezialist für „Design-Innovation“ entwickelt, was uns letztenendes zum Wettbewerbsgewinn für das olympische Schwimmzentrum in Peking verholfen hat. Kannst du Dir vorstellen noch mal nach Deutschland zurück zu kehren? Ich bin gerne in Deutschland, arbeite auch mit vielen deutschen Architekten und Ingenieuren zusammen. Ich bin aber sehr glücklich in Australien meinen Lebensmittelpunkt zu haben. Australien scheint so weit weg, ist aber in Wirklichkeit viel näher an allem dran. Wir arbeiten in China, Japan, Vietnam, Dubai. Alles Länder in denen ich vorher nie war und die ich jetzt mehrfach im Jahr besuche. Deine Projekte sind sehr vielfältig. Du bist nicht nur Architekt, sondern auch Designer und Innenarchitekt. Ist es das worauf es ankommt, wenn man sich heutzutage verwirklichen will? In Europa sind alle Architekten auch Designer und Innenarchitekten. Wir wollen ja immer alles vom Masterplan bis zur Türklinke bestimmen. Ich war schockiert als mein Entwurf für ein Bürogebäude in Sydney nach dem Wettberbsgewinn erst an ein Ausführungsteam und dann an ein Interiorteam gegeben werden sollte. Anglosächsische Büros haben da eine strikte Trennung. Ich konnte dann aber durchsetzen, dass der Entwerfer immer eine Rolle bis zum Schluss behält. Für mich ist die Ausführungsplanung eine Fortsetzung des Entwurfsgedankens in einem kleineren Maßstab. Du nimmst auch die Rolle als Gastprofessor ein.. Unterrichten macht mir großen Spaß. Ich halte eine Position als Innovation Fellow an der University of Technology Sydney. Mit den Studenten experimentieren wir an der Schnittstelle zwischen analogem und digitalem Entwerfen und setzen das regelmäßig in realen Installationen um. Außerdem bin ich ständig unterwegs auf Vorträgen und als Gastkritiker, zuletzt in Wien bei Greg Lynn, in New York an der Columbia University und in San Francisco. Lustigerweise war ich einer der Hauptredner auf der Jahresversammlung Australischer Architekten (RAIA) und sprach erst gestern auf einem Development Symposium in Dubai. Was gibst du den Studenten mit auf den Weg? „Don`t believe the hype“. Das Studium ist der Auftakt einer Entdeckungsreise, die nie endet. Lernt soviel ihr könnt und woher ihr könnt. Die Rolle des Architekten ändert sich ständig und ihr seid immer an der vordersten Front des kulturellen Diskurses. Wie siehst du deine Zukunft? Ich habe mit ein paar guten Freunden ein neues Projekt gestartet, das international bald für Aufmerksamkeit sorgen wird. Mit Büros in Stuttgart, Dubai und Sydney bilden wir ein kreatives Netzwerk das weltweit „top-end Architekur“ produziert. Außerdem freue ich mich natürlich auf die Olympiade in Peking und die Eröffnung unseres Schwimmstadions. Ich hoffe ich kann mal wieder in Köln vorbeischauen, wo viele meiner besten Freunde sind. *Anm. d. Red. Im Rahmen einer umfangreichen Studienreform wurde im Jahr 1996 die Gliederung in fünf Studienschwerpunkte an der FH Köln neu eingeführt. Chris Bosse diplomierte nach der heutigen Struktur im Institut für Entwerfen und Konstruieren. Julia Burtscheidt Falls ihr neugierig geworden seid und mehr über Chris Bosse, sein Büro und seine Arbeit erfahren wollt: www.chrisbosse.de Weitere Absolventen Jetzt der FH Köln findet ihr hier |
![]() [+] Chris Bosse auf dem Cover des Oxygen-Magazin ![]() [+] Modell des Schwimmstadions „Aquatic Centre Peking“, auch bekannt als „Water Cube". PTW /arup/cscec ![]() [+] Die Konstruktion des „Water Cube" in der Realität. PTW /arup/cscec ![]() [+] Das „Aquatic Centre Peking“. PTW /arup/cscec ![]() [+] „Digital Origami", Ausstellung in Sydney ![]() [+] Der Coralchair ![]() [+] Genetic Furniture ![]() [+] Genetic Furniture ![]() [+] MOËT Marquee in Melbourne Fotografien: ©Chris Bosse |
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