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04.02.2012

Die Stadt prüft zwei Varianten für die Zukunft des alten Rautenstrauch-Joest-Museums. In beiden sollen Rheinische Musikschule und die Filminitiative „Luxet“ als gleichberechtigte Partner in das Haus einziehen.

Es wäre so schön gewesen … eine große Vision, ein gutes Konzept, viele namhafte Partner und ein wunderschönes Gebäude – die Voraussetzungen für ein Happy-End hätten besser nicht sein können. Nur sind wir hier nicht in Hollywood, sondern in Köln. Hier gibt es Regeln, Verwaltungen und Finanzierungspläne. Die Rede ist von der Zukunft des alten Rautenstrauch-Joest-Museums am Ubierring.

Die Vision

Bereits vor fünf Jahren begannen die Planungen für eine Umnutzung beziehungsweise einen Umbau. Initiator war die Projektentwicklungsgesellschaft „Luxet“, welche unter demselben Namen die Vision eines „Hauses für Kino- und Medienkultur“ hatte und das Rautenstrauch-Joest-Museums in ein mediales Zentrum für Filmbildung und Kinokultur verwandeln wollte. Eine Machbarkeitsstudio vom Büro msah : m. schneider a. hillebrandt architektur wurde erstellt. „Wir hatten einen Traum über eine neue inhaltliche Nutzung, einen kulturellen Mehrwert für die Stadt Köln sowie für die Architektur und das Gebäude“, erklärt Horst Peter Koll, Chefredakteur FILM-DIENST und Sprecher der „Luxet“-Initiative. Mit einem PremierenKino, eigenen Tonstudios und einem Museum für Film hätte dies ein Leuchtturmprojekt für Köln werden können. Das Konzept ist interdisziplinär und sucht den kreativen Austausch mit anderen Kunstsparten: Musik, Theater, Ausstellungen etc., vor allem aber auch die Anbindung an moderne digitale Medien wie Medienkunst, Computertechnik und ComputerGames. „Ich wurde oft auf internationalen Filmveranstaltungen auf „Luxet“ angesprochen und erntete viel Lob“, so Koll weiter. Er holte sich Partner wie die Fachhochschule Köln oder das JFC Medienzentrum Köln mit ins Boot, aber auch viele Sympathisanten wie Frank Schätzing, Sarah Wiener oder das Hopper Hotel sahen die positive Zukunft des Projektes.

Zurück in der Realität

Zwischenzeitlich hat sich einiges verändert. Die Rheinische Musikschule, deren Räumlichkeiten in der Vogelsanger Straße wahrlich nicht mehr ausreichen, bewarb sich ebenfalls als Nutzer für das ehemalige Rautenstrauch-Joest-Museum. ¬¬Es hat lange Zeit gedauert, aber nun hat die Stadt zwei Nutzungskonzepte erarbeitet. In beiden Varianten sollen Rheinische Musikschule und die Filminitiative „Luxet“ als gleichberechtigte Partner in das Haus einziehen. Als „Minimallösung“¬ bezeichnet Bildungsdezernentin Dr. Agnes Klein die abgespeckte Variante. Demnach würden sich Musikschule und „Luxet“ das Gebäude teilen. Die Musikschule bekäme den „Kammerspielsaal“ im Zentrum und Proberäume im Untergeschoss des denkmalgeschützten Hauses zugeteilt. „Jede Seite hätte hier ihre Kernbereiche abgebildet“, sagt Klein der Kölnischen Rundschau (12.01.12). Die übrigen Flächen würden vielleicht sogar leer bleiben, vermutet Horst-Peter Koll. Die große Lösung, die in diesem Rahmen erarbeitet wurde, sieht die Einbindung weiterer Partner vor, so dass das Haus dem angestrebten Titel „Haus der kulturellen Bildung“ alle Ehre machen würde: In dieser Variante würde auch das Dach, das eine Fläche von gut 800 Quadratmetern Fläche umfasst, mit ausgebaut.

„Die Enttäuschung ist groß“ so Koll, „denn gerade so schöne alte Gebäude müssen bewahrt und etwas Großes daraus gemacht werden. Ich weiß, dass alles ein Kostenfaktor ist, aber die Stadt sollte mutiger sein.“ Vor allem mit der kleinen Lösung sei die Ursprungsidee „bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft“. Aus einer hollywoodreifen Story ist eine Kölsche Geschichte geworden. Denn was hat ein internationales Haus für Kinokultur mit der Rheinischen Musikschule zu tun? Wo ist der rote Faden? Wo die inhaltliche Konzeption? Und wie kann dies in einer gemeinsamen Architektursprache umgesetzt werden? Die Architekten und Initiatoren von „Luxet“ dürften dementsprechend niedergeschlagen sein. Denn zurzeit werden von Seiten der Stadt die Sanierungskosten geprüft, um dann die weiteren Schritte wie einen Wettbewerb ins Auge zu fassen. „Natürlich gibt es in so einem Haus immer viele Dinge, die man sich vorstellen kann“, sagt Wirtschaftsdezernentin Ute Berg in der Kölnischen Rundschau. „Aber da wir das Geld nicht drucken können, werden sich nicht alle Dinge realisieren lassen.“ Zumal die Sanierung des maroden Gebäudes eine Herkulesaufgabe werden dürfte. Berg spricht von einer „schwierigen Sanierung“, das Haus trage zahlreiche „Altlasten“ in sich und müsse im Prinzip kernsaniert werden. Bislang gibt es nur grobe Schätzungen für die Kosten. Selbst die kleine Lösung dürfte einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Im Sommer will die Verwaltung Zahlen vorlegen, aber werden die Partner der „Luxet“-Initiative noch so lange im Boot bleiben? Wie geht es weiter im Kölschen Hollywood? „Wir werden nicht aufgeben!“ verspricht Horst Peter Koll …



Natalie Bräuninger

luxet-perspektive-foto
[+] Die Idee, in einem neuen Dach das alten Gebäudes ein Gastronomie- und Hotelkonzept unterzubringen, ist nicht mehr aktuell. Es geht im Moment um die reine Gebäudesanierung.
© luxet Konzeptentwicklungsgesellschaft, 2008

rjm ubierring
[+] Großes Potenzial: Der Altbau müsste vor einer Neunutzung von Grund auf saniert werden.
© Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)“

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