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19.11.2008
Eine Uni-Veranstaltung sollte weitere Spender für das Haus und Museum der jüdischen Kultur gewinnen. Dazu hat sie sicher nicht beigetragen – aber den derzeitigen Planungsstand gezeigt.

Ein wenig blass wirken die etwa 20 Studenten, die – großzügig verteilt – in den ansteigenden Reihen des Hörsaals 1 der Kölner Universität auf die braune Vertäfelung starren. Das mag an der fahlen Neonbeleuchtung des Saales liegen, der seinen spröden 50er-Jahre-Charme wie Blei über die Veranstaltung legt. Das Thema jedenfalls kann nicht der Grund sein, die Anwesenden sind die Wenigen, die sich für das Thema "Haus und Museum der jüdischen Kultur" wirklich erwärmen konnten.

Latrinen und Blasmusik

Während durch die Wände aus dem Nachbarsaal ein undefinierbarer Blasmusikbrei herüberschallt, zitiert ein Diplom-Pädagoge im Betroffenheitston "ziemlich schlimme Beleidigungen" aus eigentlich linken Zeitungen, die den antisemitischen Grundton der Debatte um das Gebäude und seinen Bauplatz belegen sollen. Der Sinn der Veranstaltung erhellt sich auch nicht, als der Geschäftsführer der "Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur in Nordrhein-Westfalen e.V.", Dr. Helmut Fußbroich, detailliert die Geschichte des Bauplatzes schildert. Vielleicht liegt es auch daran, dass der als Latrine gedeutete Stein mit Loch, den er unter anderem vorstellt, nicht exakt datiert werden kann.

Gesamtkonzept

Schwung bringt erst der Architekt Wolfgang Lorch in die Vorträge. Voller Elan begründet er noch einmal die Gestaltung des Siegerentwurfes. So sehen die Architekten im Bauplatz eine dichte Vernetzung und Verwebung von Geschichte, deshalb sei auch die archäologische Zone nicht getrennt vom jüdischen Museum zu betrachten. Eine Vorstellung, die sich inzwischen auch durchgesetzt hat. Jedenfalls hat das Büro den Planungsauftrag für die gesamte Gebäudehülle, nicht, wie zunächst gefordert, den Auftrag archäologische Zone und das Haus der jüdischen Kultur so zu planen, dass sie getrennt voneinander realisiert werden können. Ein "stabiles planerisches Konzept" inklusive Kostenschätzung soll Mitte nächsten Jahres vorliegen, dann können die Ausschreibungen beginnen.

Zwei neue Plätze

Nicht nur eine Trennung der beiden Bauaufgaben hält Lorch für nicht realisierbar, er kritisiert auch dass den Kölnern vorgemacht wurde, der Platz würde erhalten bleiben, wenn lediglich die archäologische Zone realisiert würde. Natürlich müsste der Platz auch dann bebaut werden, denn die Funde befinden sich zum Teil so dicht unter der Oberfläche, dass eine komplett unterirdische Erschließung gar nicht möglich ist. Der Entwurf von Wandel Hoefer Lorch, bei dem das Museum gleichzeitig den Schutzbau für die archäologischen Funde darstellt, wurde inzwischen so modifiziert, dass vor dem Wallraf-Richartz-Museum ein größerer Platz entsteht. "So schenken wir der Stadt zwei neue Platzräume und nehmen ihr keinen Platz", begründet Wolfgang Lorch den Entwurf in der Gestalt eines "Stadtgrundrisses, der 500 Jahre lang funktioniert hat", und der der Renaissancelaube wieder eine Fassung gibt. Kritik am Siegerentwurf, so Lorch, hätte es auch nur in Köln gegeben, die Reaktionen außerhalb von Köln seien so positiv gewesen, wie es der eindeutige Juryentscheid vorgegeben hat.

Bau in jedem Fall

Während Lorch noch darauf verweist, dass der Baubeschluss erst nach der Kommunalwahl – mit möglicherweise wechselnden Mehrheiten im Rat – fallen wird, werden im Verein autosuggestiv Formeln wiederholt, wie: "Einen Ratsbeschluss kann man nicht so einfach kippen", "Es steht hier nichts mehr in Frage" oder "Die Landesregierung hat ihren Stempel gegeben". Dazu trägt auch das Entwurfskonzept bei, da die komplette Außenhülle nun in den Etat für die archäologische Zone fällt und auf jeden Fall gebaut wird. Zum derzeitigen Stand der Spenden hingegen will sich der Vorsitzende des Vereins, Graf Benedikt von und zu Hoensbroech, nicht äußern. Innerhalb von einer Woche nach dem Ratsbeschluss von August habe man aber "eine Million in der Tasche" gehabt und die "Liste der Sponsoren steht". Und das ist auch gut so, denn mit Veranstaltungen wie dieser wird es wohl nicht gelingen, weitere Spender für sich zu begeistern.

Vera Lisakowski


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Kommentare
Re: So wird das nix
Leider fehlt mir bei der Diskussion und bei dem Siegeentwurf für die archäologische Zone/Jüdisches Museum eine ernsthafte Bearbeitung des Platzes vor dem Wallraf-Richartz-Museum. Hier wird mal wieder der Raum zwischen zwei Blöcken als Platz verkauft.
Ein Kommentar von Lars Hildebrandt (30.11.2008)
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