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Auf dem Parkplatz eines Gebrauchtwagenhändlers an der Neusser Landstrasse

Die Wände der Backsteinrakete vibrierten beim Start wie die Stimme Apanatischis beim Abschied von Winnetou oder der Heizkörper in der Küche, wenn draußen die Tram um die Ecke ächzt. Langsam stieg das träge Gefährt auf, erhob sich aus seinem Gebrauchtwagenkäfig und begab sich unter ungeheuerlichem Dröhnen auf den Weg in den grauen Himmel.

Es sprengte sich ab - der gefüllte Briefkasten! Er checkte den nötigen Schub und mit jedem Meter, mit dem er sich dem Firmament entgegen presste, fiel eine Reihe der roten Ziegel ab – wie die Maschen eines handgestrickten Pullovers, dessen Träger nicht bemerkt hat, dass er vor 20 Minuten an jenem Brombeerstrauch, über dessen schmackhafte Beeren er sich so gefreut hatte, hängen geblieben war. Und wie jenem kühl wurde ob des zunehmenden Verlustes des wärmenden Kleidungsstücks, ebenso heiß wurde ihm, dem Sucher, nun, da die heiße Flamme des Kerosins Fuge um Fuge näher rückte an des Turmes Kappe, aus der er, nur geschützt durch eine dünne Schicht des anregend duftenden „Imoplex-G“, beobachten konnte, wie die Ziegel in den Flammenschweif tropften, um dort – statt prasselnd zu Boden zu fallen – zuerst in rosa und dann in orange aufzuglühen und sich dann mit einem leisen “Plopp” in Nichts aufzulösen.



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Das Schlimmste schien überstanden. Es nahte die Schicht, in der die Satelliten blinkend um die Erde streifen und er fragte sich, wie es passieren konnte, dass er die Ratschläge und Warnungen der Älteren und Experten vergessen hatte, und dem Vorschlag des Finders gefolgt war, sich den „Turm“ doch einmal aus der Nähe anzusehen, wobei es sich erwiesen hatte, das es gar kein solcher war sondern ein Rakete. Und wie er den Finder sah, der rufend und winkend kleiner wurde, bis, wie es nun schien, die Erde langsam zum Trabenten des Mondes wurde. Doch wie auch das Triebwerk der Apollo 13 immer weiterbrennt, wenn man es nicht abschaltet, so brannte auch der Feuermotor dieses Turmes ungebremst weiter. Und als er nun sah, wie sein Körper erst rosa und dann Orange erglühte, um dann mit einem leisen “plopp“ zu erwachen ...

Er war kurz eingeschlafen und nun war es Zeit; aus der Straßenbahn Nr.15 auszusteigen, um hier irgendwo etwas zu suchen, was der ihn Begleitende finden sollte. Still gingen die beiden die Neusser Landstraße hinaus, kreuzten den Militärring, bis sie an jenen Ort kamen, von dem der Sucher gerade noch geträumt hatte.

Er sah, doch darin war man sich nicht einig, eine Rakete. Vielleicht eine frühe V20. Also eine U2, noch aus der Zeit vor den Kriegen, als man die Dinge noch aus Backstein baute. „Ich weiß nicht,“ sagte der Finder, „man müsste hineingehen, um zu sehen, ob es ein Turm ist. Hineingehen und herunter schauen. Wenn du rauf gehst und herunter schaust, dann weiß ich Bescheid, ob es ein Turm oder eine Rakete ist. Wenn es aber eine Rakete ist, so wird dir nichts geschehen, da Flugkörper aus Backstein bestenfalls Fallen und schon gar nicht fliegen können.“ Der Sachverstand des Finders und das Wissen, die Sicherheit des Tonfalls und die ruhige feste Hand des Freundes auf der Schulter, ließen den Sucher vergessen. Er freute sich auf den Aufstieg und betrat den Körper durch dessen stählerne Tür, ging eine Treppe hinauf, schaute durch eines der kleinen Fenster hinab auf den lächelnden Finder der langsam immer kleiner wurde, während die Vibrationen der Backsteinwände den Verzweifelten zwangen, in die Kuppel oder das Cockpit zu flüchten und zu hoffen, dass alles, was rauffliegt, auch irgendwann wieder runterkommt.

Jens Christian Brand
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Ein Finder und ein Sucher machen sich auf den Weg zu sieben Kölner Türmen. Neben den eigentlichen Orten suchen und finden sie Spuren des Absurden und entwerfen ganz nebenbei ein sehr persönliches Stadtbild.

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