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Krypta und Archäologische Zone von St. Severin

Kaum ein anderer Ort im Rheinland dokumentiert derart lückenlos 2.000 Jahre Geschichte wie die Krypta und die Ausgrabungen unter St. Severin. Eine Treppe im Seitenschiff führt in den Unterbau der nördlichen Chorkapelle. Dieser Raum, um 1100 gebaut, mit spätgotischem Taufstein und wasserblauem Fenster ist heute Taufkapelle. Über weitere Stufen und durch eine eiserne Gittertür erreicht der Besucher die lange, dreischiffige Hauptkrypta. Sie entstand in mehreren Jahrhunderten.


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[+] Blick in die dreischiffige, gewölbte Hallenkrypta

Krypten waren ursprünglich unter Hochaltären gelegene Heiligengräber, die man über pietätvoll dunkle Stollengänge erreichte. Im Westen der Krypta von St. Severin haben sich Reste einer solchen Confessio erhalten. In einer engen, niedrigen Gruft stand der Sarkophag des vor 1.600 Jahren verstorbenen Kölner Bischofs Severin, des Titelheiligen der Kirche. Kleine Öffnungen im Gewölbe ermöglichten von oben aus den Blick darauf.

Sehr lange diente dieser Ort nicht der Ruhe des Heiligen. Denn schon Mitte des 11. Jahrhunderts erhob Bischof Herimann Severins Gebein. Romanische Um- und Neugestaltungen der Krypta gingen einher. Der westliche, über fünf niedrigen Pfeilerpaaren kreuzgratgewölbte Teil der Hauptkrypta stammt aus dieser Zeit.

Der östliche Teil ist rund zweihundert Jahre jünger. Er entstand gemeinsam mit dem bis 1237 erweiterten Stiftschor. Von individueller Art sind hier die vier Würfelkapitellpfeiler mit achtseitigen Schäften.

Im Süden befindet sich eine weitere Krypta. Der dreijochige, kreuzgewölbte Saal wurde um 1400 als Unterbau der Stiftssakristei errichtet. Seine weiten Maßwerkstab-Fenster sind von „gotischer Helle“. So sind schon bei Tageslicht die gemalten Kreuzigungszenen hinter den beiden großen Blockaltären zu erkennen.

Von der Confessio des Severin bis zu diesen Altären wird deutlich, wie liturgische Zwecke allmählich der genuinen Bestimmung der Krypten als Grabesstätten den Rang abliefen. Im Falle der Severinskirche markiert dies gewissermaßen sogar den Endpunkt einer 1.500-jährigen Geschichte. Denn der Gang unter der Kirche führt wesentlich weiter zurück als ins Mittelalter.

Westlich der Krypta hängt an der Durchgangswand der Abguss eines spätantiken Grabsteines. In ungelenker Blockschrift vermerkt er den Tod des unschuldigen Kleinkindes Concordia. Das Original des Steines fand sich auf dem Kirchgelände als Deckplatte eines karolingischen Sarkophages. Tritt man durch die neben der Grabplatte befindliche Tür, so öffnet sich der Blick in die früheste Geschichte Kölns:

Hinter Dutzenden von Sarkophagen stehen Konche und Umfassungsfundamente einer um 400 erbauten Totenkapelle. Das ist der Urbau von St. Severin, ehemals christliches Zentrum einer viele Hektar umfassenden Nekropole an der antiken Köln-Bonner Straße. Noch die heutige Kirche hat den kleinen, gewesteten Bau zum Grundmaß. Immer umfangreichere Nutzungen erforderten dessen schrittweisen Aus- und Umbau, oder ganze Neubauten. So sind im seitlichen Durchgang der Grabungszone Fundamente aus steinverfüllten antiken Sarkophagen zu sehen. Sie waren Grundmauern eines größeren Stiftskirchbaus der Zeit um 800.

In der Mitte des Urbaus wurden 1939 unter großer medialer Anteilnahme life zwei heute noch stehende Sarkophage der Merowingerzeit geöffnet. Das eine Grab barg eine reich mit Schmuck ausgestattete Frau, das andere den Körper vermutlich eines Barden aus der Zeit um 700. Dem mit Blumen bestreuten männlichen Leichnam war eine Leier auf den Arm gelegt.

Die Gräberöffnungen waren Höhepunkte der seit 1925 von Fritz Fremersdorf, damals Leiter der römisch-germanischen Abteilung des Wallraf-Richarz-Museums, durchgeführten archäologischen Grabungen von St. Severin. Sie nahmen Ausgang von einem unter dem Kreuzgang entdeckten Mausoleum des 4. Jahrhunderts. Vier ungewöhnlich große Männer lagen nebeneinander in einzelnen Senkkammern, bedeckt mit Steinplatten, die aus einem Mercurius-Weihestein geschnitten waren. Reste der Einwölbung und einer Vorkammer lassen noch heute ahnen, wie sich hier die Angehörigen der Verstorbenen zum Totenmahl versammelten.

Im Turmbereich befinden sich Reste einer der ältesten Architekturen Kölns. Es sind Teile eines frühkaiserzeitlichen, vielleicht schon im 1. Jahrhundert angelegten, zweistöckigen Mausoleums. Fremersdorf ergrub sie 1943, zeitgleich mit den schweren, Kölns architektonische Substanz fast völlig vernichtenden Bombardements. Die Nachkriegseindeckung des gesamten Grabungsbereiches in provisorisch wirkender Sichtbetonmanier gibt immer noch Vorstellung für die notvollen Umstände seiner Arbeit.


Weiterführende Literatur:
- Die Kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Köln III, hg. Paul Clemen, L Schwann, Düsseldorf
- Stadtspuren, Köln: Die Romanischen Kirchen, Bachem-Verlag, Köln


Markus Eckstein M.A.
Kunsthistoriker und Kulturmediator, Köln
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[+] Grabungsbereich mit Sakophagen

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[+] Sieben Pfeilerpaare trennen die drei Schiffe der Krypta....

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[+] ... den Abschluß bildete eine halbrunde Apsis

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[+] Der nördliche Zugang über die Taufkapelle

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[+] Zugang zum Gräberfeld

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[+] Blick in den Grabungsbereich

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[+] St. Severin, Längsschnitt

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[+] Krypta St. Severin, Grundriss


 
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