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Leben und Sterben im Keller | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Als Reaktion auf die Luftangriffe auf London und Coventry 1940, dehnte die britische Bomberflotte ihre Angriffe auch auf zivile Ziele aus. In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 erlebte Köln den so genannte 1000-Bomber-Angriff. Bis zum Kriegsende starben ungefähr 20.000 Kölner bei den 262 Bombenangriffen, die 90% der Innenstadt zerstörten. Die Angriffswellen machten den Unterschied von Heimat und Front hinfällig, der Rhythmus des Lebens wurde diktiert von Angriff, Zerstörung und Aufräumarbeiten. [?] 360 Grad Panorama im Luftschutzkeller Im vergangenen Jahrhundert wurde eine Form von Grauen realisiert, für das es in der Vorstellung keine fassliche Entsprechung mehr gab. Den Überlebenden blieben Erlebnisse, die sich über ein halbes Jahrhundert später noch nicht in Erfahrungen auflösen lassen. Trotzdem, vielleicht aber auch weil diese Erfahrungen nicht mitteilbar waren: Nach dem Krieg beginnt irgendwann eine Phase kollektiver Derealisierung. Sie mag zum Überleben gehören. Die Fantasie arbeitet emsig an einer Trivialisierung der Schrecken, ein Vorgang, der ebenso faszinierend wie unheimlich ist. Im Luftschutzkeller der Mühlheimer Feuerwache sind Fresken erhalten, die ein Feuerwehrmann 1940 während der 24-stündigen Schichten gemalt hat. Der Amateur malte den Alltag der Feuerwehr mit einem Hang zur liebevollen Karikatur. Wilhelminische Typen, die sich die lange Zeit der Bereitschaft nach ihrer eigenen Art vertreiben, die singen, zechen oder ausrücken, um eine spärlich bekleidete Frau mit dem Sprungtuch aus den Flammen zu retten. Darunter auch eine Szene des kommenden Bombenkrieges: Die Tommys reiten rittlings auf ihren Flugzeugen und bombardieren Köln mit Fleischwürsten und Radieschen (Anlass für eine separate Exegese). Die Feuerwehr eilt herbei und fängt die Würste – der Kasten Bier steht schon parat. Immerhin, das war die Fantasie eines Katastrophenprofis. Dasselbe Phänomen kurz nach dem zweiten Weltkrieg: In den „Duck and Cover“-Propagandaspots der US-Regierung z.B., die die Gefahren des Atomkriegs erfolgreich banalisierten, hockten sich Kinder unter einen Tisch und schützen sich so vor Zerstörungskräften, für die der Begriff der Megatonnen in die Welt kam. Der reale Krieg kam 1942 mit den Luftangriffen nach Köln. Die Stadt war noch zu diesem Zeitpunkt nur sehr unzureichend auf Luftangriffe vorbereitet. Öffentliche Luftschutzräume gab es zu wenige, ebenso wie spezielle Luftschutzbunker. Mit dem Bau wurde zu spät begonnen und so bestand keinen ausreichender Schutz für die Zivilbevölkerung. Diese fanden die Kölner vor allem in den Kellern ihrer Häuser, die notdürftig zu Luftschutzräumen umgebaut wurden. Im letzten Krieg waren die Kölner 2.000 Stunden in den Kellern, das jedenfalls ist die Zeit, in der sich Köln im Alarmzustand befand. Es begann oft mit dem Verstummen der örtlichen Rundfunksender, die ein sicheres Indiz für einen drohenden Angriff waren. Die Sender wurden abgeschaltet, um den alliierten Bomberverbänden keine Navigationshilfe zu geben. Bevor die Traubenleuchtbomben fielen, unterbrachen die Menschen ihr Leben, und suchten, von den Sirenen getrieben, die unterirdischen Schutzräume auf. Mit den Detonationen kam dann oft der Stromausfall. Brannte das Haus, in dessen Keller man sich geflüchtet hatte, drohte der Erstickungstod durch den Rauch. Überlebende haben dabei von Fluchten durch die unbeleuchteten Keller berichtet, bei der sie, von Feuer und Rauch getrieben von einen Keller in den nächsten durchbrechen mussten, ohne zu wissen, wo sie einen Ausgang und Luft finden würden. Der Keller bot im letzten Krieg eine gewisse Sicherheit gegen fallende Bomben – doch oft wurde er auch zur Falle: 2/3 der zivilen Opfer in Köln kamen in den Schutzräumen ums Leben. Axel Joerss Freier Journalist und Autor, Leverkusen [?] 360 Grad Panorama im Luftschutzkeller |
![]() ![]() Der Kölner Untergrund ist voll von feinen Bunkern, Haifischbecken, Sagopagen und Versorgungsschächten. Keller sind bergende und schützende Räume, konservieren Geschichte und Geschichten und bestimmen einen großen Teil des Mikroorganismus einer Großstadt. Domschatzkammer St. Severin Universitätsbibliothek Filmhaus Luftschutzkeller Tiefgarage Fernwärmetunnel Wasserspeicher |
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