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Die Schatzkammer des Kölner Doms

Knapp 2000 Jahre Baugeschichte Kölns sind beim Besuch der neuen Schatzkammer des Domes an-fassbar: Die im Oktober 2000 eröffnete Domschatzkammer zeigt nicht nur kostbarste Reliquien, hochkarätige liturgische Geräte, bischöfliche Insignien, Bücher und Textilien, sondern auch einen eindrucksvollen Querschnitt durch die Baugeschichte der Bischofsstadt.

Zwischen Bahnhof und Dom stellt sich auf der Domplatte ein auffälliger Kubus ins Sichtfeld der zur Hohen Straße strebenden Menschenmassen. Eine goldglänzende Stele weist den Weg zur "Schatzkammer". Nachdem seit dem 19. Jh. am Dom ausschließlich historisierend gebaut wurde, entstand hier mit etwas "Respektabstand" zur gotischen Bausubstanz ein zeitgenössischer Baukörper, fensterlos, mit 400 Bronzeplatten verkleidet.



[?] Aus "CD-ROM Kölner Dom" (c) Cologne Digital Medienproduktion GmbH / Atelier für Mediengestaltung Köln

Form und Material verweisen auf die besondere Bedeutung dieses Raumes, der der einzige oberirdisch sichtbare Bereich der Schatzkammer ist. In seinem Inneren befindet sich die "Heiltumskammer", die – nach mittelalterlicher Tradition – den kostbaren Reliquienschatz des Domes birgt.

Die nördlichen Außenmauern des Domes grenzen unmittelbar an die Reste der römischen Stadtmauer. Als beim Bau des gotischen Chores dort Kapitelsaal (heute Sakramentskapelle, geweiht 1277) und Schatzkammer errichtet wurden, lag deren Bauplatz auf dem Areal des ehemaligen römischen Stadtgrabens. Um Geländeabfall und unsicheren Untergrund auszugleichen, errichtete der mittelalterliche Baumeister unter diesen Seitenräumen des Domes einen 10 m hohen und 130 m² großen Gewölbekeller. Als Südwand dient die römische Stadtmauer, die hier noch besonders gut erhalten ist, die anderen Wände werden aus den beeindruckenden Fundamentmauern des gotischen Kapitelsaals gebildet.

1994 beschloss das Domkapitel, diesen ‚Keller’, der um 1570 durch eine Zwischendecke unterteilt worden war, für eine neue Schatzkammer zu nutzen. Planer und Ausführende schufen eine maßgeschneiderte Architektur, da in dem schmalen Streifen zwischen gotischen Fundamentmauern des Domes und den Stützmauern von Straßentunnel und U-Bahn sämtliche Erschließungsräume Platz finden mussten. Trotz moderner Bauformen befindet sich der Dom mit dieser Baumaßnahme doch noch im tiefsten Mittelalter, denn nur der Architekt der Dombauverwaltung wurde um den Entwurf gebeten, ein Wettbewerb für diese Baumaßnahme am bedeutendsten Gebäude der Stadt wurde nicht ausgeschrieben. So bleibt leider unbekannt, welche Lösungsvorschläge andere Architekten für diese komplizierte Aufgabe an hochsensibler Stelle beigesteuert hätten.

Die historische Bausubstanz sollte in jeder Hinsicht geschützt werden. Der Gewölbekeller wurde in den mittelalterlichen Zustand zurückgebaut und die frühneuzeitliche Zwischendecke belassen. Letztere wurde allerdings an einer Stelle geöffnet, um die ehemalige Raumhöhe nachvollziehbar zu machen. Römische und gotische Mauerstrukturen bilden nun die großartige Kulisse für die Schätze des Domes. Die Ausstellungsarchitektur strebt erfolgreich nach größtmöglicher Transparenz und Zurückhaltung, um nur Objekte und Raum wirken zu lassen. Im eigentlichen Gewölbekeller gibt es keine Lampen, einzig die den Vitrinen immanente Beleuchtung gibt Exponaten und Raum Licht.

Die neue Schatzkammer rückt den Domschatz endlich in ein angemessenes Licht und ermöglicht allen den Zugang zu einem einzigartigen historischen Keller der Domstadt.


Architekt: Bernd Billecke
Ausstellungskonzept: Leonie Becks, Rolf Lauer
Raum- und Vitrinengestaltung: Ingrid Bussenius
Lichtdesign: Daniel Zerlang-Rösch

Monika Schmelzer
Kunsthistorikerin, Kirchenführerin und Autorin, Pulheim
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360 keller titel neu
Der Kölner Untergrund ist voll von feinen Bunkern, Haifischbecken, Sagopagen und Versorgungsschächten. Keller sind bergende und schützende Räume, konservieren Geschichte und Geschichten und bestimmen einen großen Teil des Mikroorganismus einer Großstadt.


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